Die in Wien geborene Österreicherin mit dem deutschen Pass, Tochter der populären Schauspielerin Magda Schneider und des umschwärmten Wolf Albach-Retty, wird im Alter von 14 Jahren direkt aus dem Internat zu Probeaufnahmen zitiert und schafft einen fulminanten Start ins Filmgeschäft. Die drei "Sissi"-Filme, die sie zwischen 1955 und 1957 mit Karlheinz Böhm dreht, werden zu einem überwältigenden Kassenschlager und machen die junge Romy berühmt. Mit 19 flieht sie aus der deutsch-österreichischen "Sissi-Welt" nach Paris. An der Seite des aufsteigenden Stars Alain Delon wird diese Stadt zu ihrer Heimat und Romy in wenigen Jahren zum weltbekannten französischen Filmstar Nr. 1. Das ist nicht zuletzt das Verdienst von Claude Sautet, der neben Luchino Visconti, Claude Chabrol und Orson Welles zu ihrem wichtigsten Regisseur gehört. 1974 dreht sie drei gänzlich unterschiedliche Filme ("Trio infernal", "Nachtblende", "Die Unschuldigen mit den blutigen Händen") und wird damit in Frankreich endgültig zum Superstar. Gebrochene, aber gleichzeitig starke Frauen, Frauen mit sinnlicher Kraft und emanzipierte Frauen, die keine Männer mehr zu brauchen scheinen, sind Rollen, die ihr liegen und deshalb so erfolgreich sind, weil sie damit für Frauen zur Identifikationsfigur und für Männer zur unerreichbaren Traumfrau wird. Das Frauenbild, das sie leben und kreieren will, hatte Vorbilder in der sich souverän über alle Konventionen hinwegsetzenden Gräfin Reventlow, Wedekinds Lulu oder Ibsens Nora. Von einem großen Teil der deutschen Presse werden ihr jedoch Unverständnis und aggressive Häme entgegengebracht. Das hängt mit ihrem unkonventionellen, emanzipierten Selbstverständnis zusammen, aber auch damit, dass viele ihrer Rollen mit der deutschen Vergangenheit zu tun haben. Ein Leben in Deutschland kommt daher für sie nicht mehr in Frage, gelten lässt sie nur Heinrich Böll, insbesondere sein zeitkritisches Werk "Die verlorene Ehre der Katharina Blum", die Filme Rainer Werner Fassbinders oder Willy Brandt, den sie als Vertreter eines anderen Deutschland schwärmerisch verehrte. Dem Perfektionismus vor der Kamera und ihrer ständigen Unzufriedenheit mit sich selbst steht ein fast anarchisches Sich-Treiben-Lassen im Privatleben gegenüber, ständig schwankt sie zwischen radikalem Egozentrismus und rührender Selbstlosigkeit. Die Trennung von Alain Delon stürzt sie in eine seelische Krise. 1966 lernt sie den Regisseur und Schauspieler Harry Meyen kennen, sie heiratet ihn und gebiert noch im gleichen Jahr ihren Sohn David. Aber der Versuch, ein bürgerliches Leben in Deutschland zu führen, misslingt. Nur ein Mal steht sie auf einer deutschen Bühne. So zieht sie es wieder nach Frankreich, und Alain Delon, der bis zu ihrem Tod zu ihren verlässlichsten Freunden gehört, verschafft ihr die Chance zu einem erfolgreichen Comeback. Romy Schneider, die nie Schauspielunterricht erhalten hatte, demonstriert vor der Kamera Passion und Professionalität und prägt mit ihrem Gesicht das Schönheitsideal einer ganzen Generation. Sie erhält zahlreiche Preise, u.a. zwei Mal den "César" als beste Schauspielerin, zuletzt 1979 für "Die Dinge des Lebens" und 1977 das Filmband in Gold für die Rolle der Leni in der Böll-Verfilmung "Gruppenbild mit Dame" - der Film selbst fällt durch. 1975 erfolgt die offizielle Scheidung von Harry Meyen, der alkohol- und tablettensüchtig wenige Jahre später Selbstmord begeht. Im gleichen Jahr heiratet sie ihren Privatsekretär Daniel Biasini – bei ihm sucht sie einen festen Halt für ihr Leben zwischen Tabletten und Alkohol, "Kino" und "Leben". 1977 wird ihre Tochter Sarah geboren. Vier Jahre später muss sie sich nach der Trennung von Biasini einer schweren Nierenoperation unterziehen. Wenig später verunglückt ihr Sohn tödlich. Am Morgen des 28.5.1982 findet sie ihr neuer Lebensgefährte Laurent Pétin in einem Haus, das sie in der Nähe von Paris kürzlich erworben und neu gestaltet hatten, leblos vor. Sie hatte ihrem Leben ein Ende gesetzt. © BPA/Richard von Schirach